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Verwaltungsvorlage (25 Jahre Landschaftsplan der Stadt Krefeld)

                                    
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Vorlage des Oberbürgermeisters der Stadt Krefeld
öffentlich

Datum 24.05.2016

Nr.

2781 /16

Anlage-Nr.

FB/Geschäftszeichen: - 671/16 - ma Beratungsfolge:

Sitzungstermin:

Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- u. Entsorgung sowie Landwirtschaft 22.06.2016
Landschaftsbeirat

06.09.2016

Betreff
25 Jahre Landschaftsplan der Stadt Krefeld

Beschlussentwurf:
Der Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung sowie Landwirtschaft nimmt den Bericht der
Verwaltung zur Kenntnis.

Unmittelbare finanzielle Auswirkungen ja
Finanzielle Auswirkungen und Begründung auf den Folgeseiten

X nein

Begründung

Seite 1

Finanzielle Auswirkungen

Vorlage-Nr. 2781 /16

Die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen des Beschlusses sind im Haushaltsplan berücksichtigt:
ja

nein

Innenauftrag:
Kostenart:
PSP-Element:
Nach Durchführung der Maßnahme ergeben sich keine Auswirkungen auf die Haushaltswirtschaft:

Personalkosten
Sachkosten
Kapitalkosten
(Abschreibungen oder Zinsen)
Kosten insgesamt
abzüglich

0,00 EUR

- Erträge
- Einsparungen

0,00 EUR

Bemerkungen

Begründung

Seite 2

25 Jahre Landschaftsplan der Stadt Krefeld
Der Landschaftsplan der Stadt Krefeld wurde mit seiner öffentlichen Bekanntmachung am 19.12.1991
rechtskräftig. Diese Ortssatzung deckt fast den gesamten Außenbereich ab. Es wurden 4 Naturschutzgebiete mit insgesamt ca. 277 ha , 12 Landschaftsschutzgebiete und 98 geschützte Landschaftsbestandteile
festgesetzt. Über die Darstellung von 8 Entwicklungszielen sollte über die Schwergewichte der im Planungsraum zu erfüllenden Aufgaben der Landschaftsentwicklung Auskunft gegeben werden. Der Landschaftsplan enthielt über 200 Festsetzungen von Anpflanzungen, von denen ein großer Teil inzwischen
realisiert worden ist. Weiterhin wurden viele der geplanten Aufforstungen realisiert (z.B. am Südpark)
und es wurden bislang intensiv genutzte Äcker in extensiv gepflegte Wiesen umgewandelt (vor allem im
Bereich des NSG Latumer Bruch). Die im Landschaftsplan festgesetzte Pflege von Grünland, Obstwiesen,
Kopfbäumen und Naturdenkmalen wurde mit Förderung der Bezirksregierung Düsseldorf durchgeführt.
Der kontinuierliche Umbau der Pappelbestände in naturnahe Laubwälder fand vor allem im Hülser Bruch
und im Latumer Bruch statt.
Viele der im ursprünglichen Landschaftsplan enthaltenen Festsetzungen und Maßnahmen wurden umgesetzt, andere konnten aufgrund widriger Umstände bis heute nicht realisiert werden oder sind inzwischen überholt. Durch Änderungsverfahren wurde der Landschaftsplan an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst.
Naturschutzgebiet "Hülser Bruch"
Schon 1994 wurde die Planung und Abstimmung mit den Bürgern und Mandatsträgern über Krefelds
größtes heutiges Naturschutzgebiet, das Naturschutzgebiet Hülser Bruch begonnen. Dieses für die Bevölkerung Krefelds bedeutendste Naherholungsgebiet wurde nach umfangreicher Abstimmung vor allem mit
Vertretern der Landwirtschaft am 5.1.2002 rechtskräftig. Hierbei wurde abweichend von allen anderen
Naturschutzgebieten im Bereich des Hülser Berges das Betreten der Waldflächen weiterhin gestattet und
so den Bedürfnissen der Krefelder Bevölkerung nach naturnaher Erholung Rechnung getragen. Gleichzeitig wurde die neue Forsteinrichtung und ein Niederwaldgutachten fertiggestellt, so dass die Bewirtschaftung der dieses Gebiet prägenden Waldbereiche in geordneten Bahnen verlaufen konnte.
Naturschutzgebiet "Die Spey"
Das Naturschutzgebiet "Die Spey" wurde in einem weiteren Änderungsverfahren von 9,6 ha Größe auf 37
ha vergrößert. Im Jahre 2005 wurde hier auch der Status als FFH-Gebiet im Landschaftsplan verankert.
Naturschutzgebiet "Latumer Bruch"
Das Flurbereinigungsverfahren Latumer Bruch, ein Gebot des Landschaftsplans, konnte 1996 nach langen
Diskussionen um Pufferstreifen und rechtlichen Auseinandersetzungen um Verstöße gegen die Schutzbestimmungen eingeleitet werden. Im Jahre 2000 erfolgte die vorläufige Besitzeinweisung, die einen erheblichen Zuwachs an im städtischen Eigentum stehenden Flächen innerhalb des Naturschutzgebietes mit
sich brachte. So konnten weitere Pufferzonen realisiert werden und neue Grünlandflächen angelegt werden. Der Talweg konnte aus der Altstromrinne in die Feldflur verlagert werden. Im Jahre 2006 fand das
Verfahren seinen Abschluss.

Naturschutzgebiete "Orbroich", "Niepkuhlen" und "Riethbenden"
Am 1.12.2005 wurden 3 neue Naturschutzgebiete durch Satzungsbeschluss rechtskräftig. Es handelt sich
um die Naturschutzgebiete Orbroich (Größe ca. 100 ha), Niepkuhlen (Größe ca. 35 ha) und Rietbenden
(Größe ca. 37 ha). Im Landschaftsplan war bereits das Gebot enthalten, in Orbroich ein Naturschutzgebiet auszuweisen, da dieses Gebiet noch sehr stark seinen ursprünglichen niederrheinischen Charakter
behalten hat, der geprägt ist aus einem ausgewogenen Verhältnis von naturnahen Waldbereichen,
Sumpfflächen und Feuchtgrünland. Die Gebiete "Niepkuhlen" und "Riethbenden" werden durch den hier
verlaufenden Altarm des Rheins in Wert gesetzt.
Naturschutzgebiet "Flöthbach"

Begründung

Seite 3

Im Landschaftsplan war mit der Festsetzung 5.5.1 bereits die Entwicklungsmaßnahme "Renaturierung von
Bachläufen" im Bereich des Flöthbaches enthalten. Unterstützung fand diese Maßnahme durch die EUWasserrahmenrichtlinie, die Anlass gab, ein Gutachten zur Flöthbachrenaturierung in Auftrag zu geben.
Ein Niepkuhlengutachten wurde ebenfalls erarbeitet. Beide Gutachten dienen als Rahmen für die Umgestaltung dieser beiden Gewässer. Nach Umsetzung vieler Maßnahmen am Flöthbach wurde am
21.08.2008 das Naturschutzgebiet Flöthbach rechtskräftig. Mit einer Größe von 45 ha wird es im Wesentlichen von der Aue des Flöthbachs und der umgebenden naturnahen Erlenbruchwälder und Feuchtgrünländer geprägt.

FFH-Gebiete in Krefeld
Die Anforderungen an die Gestaltung einiger Gebiete in Krefeld werden inzwischen durch die EU-FFHRichtlinie (FFH = Flora-Fauna-Habitat) mitbestimmt. In Krefeld sind 4 FFH-Gebiete vorhanden, von denen
3 Gebiete (Egelsberg, Spey und Latumer Bruch) in der Zuständigkeit der ULB liegen, das FFH-Gebiet
"Fischruhezonen im Rhein" wird vom Bund im Rahmen der Überwachung der Bundeswasserstraße betreut. Die Umsetzung des FFH-Rechts in den geltenden Landschaftsplan der Stadt Krefeld gestaltete sich
bei der "Spey" noch relativ einfach, da dieses Gebiet aus vegetationskundlicher Sicht schützenswert ist
und nicht über Tierarten mit komplizierten Lebensläufen verfügt. Beim Egelsberg musste der Flugbetrieb
in den Umgebungsschutz des FFH-Gebietes einbezogen werden. Das FFH-Gebiet Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk soll in diesem Jahr in den Landschaftsplan integriert werden. Aufgrund erheblichen Beratungsbedarfs verzögerte sich die Unterschutzstellung, die ein weiteres neues Naturschutzgebiet am Rande von Linn 2.1.11 "In der Elt" beinhalten soll. Durch das FFH-Recht werden spezifische Anforderungen gestellt, die den besonderen Umgang mit bestimmten Tier- und Pflanzenarten bedingen. So nehmen die Heideflächen und das dort im Heideweiher vorkommende schwimmende Froschkraut auf dem Egelsberg, der Kammmolch, der Ameisenbläuling und die Flachlandmähwiesen im Latumer
Bruch eine bedeutende Rolle ein, da die Größe ihres Vorkommens mit über die Einstufung des gesamten
Gebietes entscheidet.
Entwicklungen im Natur- und Artenschutz
Inzwischen wird der Landschaftsplan vor neue Herausforderungen gestellt. So gilt es, dem nachgewiesenen Insektensterben zu begegnen. Der Rückgang der Singvögel hat in Teilbereichen bereits zu einem
stummen Frühling geführt, es ist kaum noch Niederwild vorhanden, die Amphibien gehen stark zurück.
Hier soll versucht werden, durch Förderung von Feldvögeln und Anlage von Blühstreifen diesem Trend
Einhalt zu gebieten.
Ausblick
Durch Fortsetzung der Pflegemaßnahmen wie Kopfbaumpflege, Naturdenkmalerhalt und Obstwiesenpflege sollen die begonnenen Maßnahmen erhalten werden. Durch das Kulturlandschaftsprogramm wird
inzwischen der größte Bereich der Pflege von Grünland, Anlage von Blüh- und Brachestreifen oder auch
der Heckenpflege finanziert. Die hier umgesetzte europäische Förderung des Naturschutzes, finanziert
durch die "2. Säule" des Agrarhaushalts wird seitens der ULB auch für die Stadt Duisburg eingesetzt. Die
hier praktizierte Zusammenarbeit mit den Landwirten findet auch bei der Umsetzung von Ausgleichs- und
Ersatzmaßnahmen statt, die heute auch als sog. produktionsintegrierte Maßnahmen umgesetzt werden.
Klassische Anpflanzungen rücken hierbei in den Hintergrund. Die "ausgeräumte" Feldflur rückt stärker in
den Blickpunkt. Hier sollen Blühstreifen, Brachestreifen und Lerchenfenster neue Rückzugs- und Lebensräume bilden helfen. Weiterhin stellen die Renaturierung des Flöthbaches in Orbroich sowie mögliche
Maßnahmen zur Haltung des Wasserstandes in den Niepkuhlen Schwerpunkte der zukünftigen Tätigkeit
zur Umsetzung des Landschaftsplans dar.
Zusammenfassung
Der Landschaftsplan ist seit 25 Jahren das Instrument, um die Krefeld umgebende Landschaft zu erhalten
und zu gestalten. Die Zahl der Naturschutzgebiete konnte von 4 auf 9 rechtskräftig ausgewiesene Gebiete
erhöht werden, die unter Naturschutz stehende Fläche von 1991 mit ca. 277 ha auf 2016 jetzt ca. 951 ha.

Begründung

Seite 4

Mit einer Vielzahl von Maßnahmen wurde die Krefelder Landschaft angereichert und für viele Tier- und
Pflanzenarten, aber auch für die Krefelder Bevölkerung lebenswerter gemacht.


                                    
                                
Das Dokument stammt aus dem Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld