Skip navigation

Archiv (Waldbewirtschaftung - Antrag des Bürgers Christian Kellers vom 12.02.2016 -)

                                    
                                        TOP

Vorlage des Oberbürgermeisters der Stadt Krefeld
öffentlich

Datum 15.03.2016

Nr.

2442 /16

Anlage-Nr.

FB/Geschäftszeichen: - Beratungsfolge:

Sitzungstermin:

Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- u. Entsorgung sowie Landwirtschaft 20.04.2016

Betreff
Waldbewirtschaftung
- Antrag des Bürgers Christian Kellers vom 12.02.2016 -

Beschlussentwurf:
Der Ausschuss für Umwelt, Energie, Ver- und Entsorgung nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

Unmittelbare finanzielle Auswirkungen ja
Finanzielle Auswirkungen und Begründung auf den Folgeseiten

X nein

Begründung

Seite 1

Finanzielle Auswirkungen

Vorlage-Nr. 2442 /16

Die unmittelbaren finanziellen Auswirkungen des Beschlusses sind im Haushaltsplan berücksichtigt:
ja

nein

Innenauftrag:
Kostenart:
PSP-Element:
Nach Durchführung der Maßnahme ergeben sich keine Auswirkungen auf die Haushaltswirtschaft:

Personalkosten
Sachkosten
Kapitalkosten
(Abschreibungen oder Zinsen)
Kosten insgesamt
abzüglich

0,00 EUR

- Erträge
- Einsparungen

0,00 EUR

Bemerkungen

Begründung

Seite 2

Die Piraten Partei der Stadt Krefeld bittet die Verwaltung um Stellungnahme in wie weit die aktuellen Veröffentlichungen und Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Hamburg zu diesem Thema Einfluss auf die zukünftige Waldbewirtschaftung in Krefeld haben wird.
Das Max-Planck-Institut Hamburg hat in der letzten Zeit mehrere Veröffentlichungen zum Thema
Klima auch in Verbindung mit Wald vorgenommen. Der in der Begründung zum Antrag aufgeführte, kürzlich veröffentlichte Bericht im „Science“-Magazin, Ausgabe 6.273 vom 05.02.2016,
beinhaltet eine Untersuchung hinsichtlich Waldmanagement und Klima. Das Forscherteam hat
herausgefunden, dass in den letzten 250 Jahren durch die Forstbewirtschaftung einschließlich
der Waldvermehrung in Europa keine Verminderung des Klimawandels erfolgte.
Anhand eines Computermodells wurde ermittelt wieviel Wasser, Energie und Kohlenstoff gebunden bzw. freigesetzt wurden. Somit konnte der Effekt auf die Kohlenstoffbilanz und das historische Klima analysiert werden.
Das United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) hatte in der Pariser
Vereinbarung analysiert und festgelegt, dass die Forstwirtschaft eine Schlüsselrolle im Klimawandels habe. Sie sei in der Lage globale Erwärmungen zu verlangsamen indem CO2 aus der Atmosphäre gebunden wird. Die Forschungsergebnisse zeigen auf, dass seit 1750 die europäischen
Wälder keine Netto- CO2 Bindung aus der Atmosphäre erreicht haben, was sie auf die produktionsorientierte Forstwirtschaft zurückführen. Die Forscher wollen festgestellt wissen, dass in
früherer Zeit natürlichen Waldgesellschaften durch Bewirtschaftung Holz entzogen wurde, was
letztendlich dazu führte, Kohlenstoff in die Atmosphäre zu entlassen. In natürlichen, nicht bewirtschafteten Wäldern bleibt Kohlenstoff im Waldökosystem weiter gebunden. Die Forscher
kommen zu der Erkenntnis, dass heute gut bewirtschaftete Wälder erheblich weniger Kohlenstoff speichern, als der natürliche Wald von 1750.
Es wird kritisiert, dass die Forstwirtschaft produktionsorientiert sei und durch den Anbau kommerziell orientierter Baumarten eine massive Umwandlung der Laubwälder in Nadelwälder betrieben habe, was zur Klimaerwärmung beigetragen habe. Das Forscherteam stellt sich die Frage,
ob eine Forstwirtschaftsstrategie entwickelt werden kann, die das Klima abkühlt und gleichzeitig
die Holzproduktion und andere Ökosystemleistungen aufrechterhält.
Auf die Stadt Krefeld und den Niederrhein bezogen ist zunächst festzuhalten, dass die Hauptrodungsphasen im 13. Jahrhundert bereits abgeschlossen waren. Um 1630 waren große Bereiche
nahezu waldlos. 1836 wird von einer Holznot durch Rodungen, Kriegszüge und Übernutzungen
berichtet . Bis 1850 wird trotz Einführung der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft von dem bislang
schlechtesten Waldzustand berichtet. Diese Gegebenheiten haben dazu geführt, dass am Niederrhein ein Bewaldungsprozent von 14 und in der Stadt Krefeld von 9,5 vorliegt.
Der Wald der Stadt Krefeld trägt zur Reduzierung der Klimaerwärmung bei. Er besteht zu 96%
aus Laubwald, überwiegend aus Baumarten der entsprechenden Waldgesellschaften. Hinsichtlich der Waldfunktionen steht die Erholung im Vordergrund und nicht die Nutzfunktion. Der
Wald wird naturnah behandelt, in dem u.a. ein Biomassenaufbau betrieben wird. Die Behandlung des Waldes erfolgt unter den Gesichtspunkten der naturnahen Waldwirtschaft. Bäume
werden in der Regel selektiv entnommen. Die naturnahe Waldbehandlung orientiert sich an den
natürlichen Strukturen und Prozessen von Waldökosystemen und erreicht dadurch einen hohen
Grad an biologischer Selbstregulation. Durch die Entwicklung strukturreicher Mischwälder wird
eine hohe Stabilität und Leistungsfähigkeit erreicht. Durch das Dauerwaldgefüge wird ein günstiges Waldinnenklima für gute Keim- und Aufwuchsbedingungen geschaffen.
Der gesamte kommunale Wald der Stadt Krefeld ist mit der Funktion Klimaschutzwald ausgewiesen, d.h. die Bewirtschaftung des Waldes hat Rücksicht auf die Klimafunktion zu nehmen. Diese
Berücksichtigung erfolgt durch die Naturnahe Waldbewirtschaftung. Auf Kahlschläge wird bis auf
wenige Ausnahmen verzichtet. Die Naturverjüngung hat Vorrang vor Pflanzmaßnahmen. Über
6% der kommunalen Wälder wurden „stillgelegt“. Durch den Einsatz einer sanften Betriebstechnik findet eine schonende Waldbodenbehandlung statt.

Begründung

Seite 3

Der Einfluss auf die zukünftige Waldbewirtschaftung in Krefeld kann noch dadurch erweitert
werden, in dem die Baumartenpalette vergrößert wird. Schon jetzt befinden sich in den Wäldern
der Stadt Krefeld 33 Baumarten.


                                    
                                
Das Dokument stammt aus dem Ratsinformationssystem der Stadt Krefeld